T e x t e


über den Bildhauer Hans - Otto Lohrengel





Text Dr. Romana Breuer

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Auszug aus dem Text zur Ausstellung
Sabine Held, Hans-Otto Lohrengel
... wie die Welle auf den Hund kommt...
TechnologiePark Bergisch Gladbach
November 2007


In der Geschichte der Kunst wird seit Jahrhunderten viel gestritten - um die Anerkennung als den Freien Künsten zugehörig, um die Vorrangstellung von Malerei oder Bildhauerei, um das Primat von Linie oder Farbe - um nur einige Beispiele zu nennen. Für die heute beginnende Ausstellung mit Malerei von Sabine Held und plastischen Arbeiten von Hans-Otto Lohrengel habe ich Ihnen ein solches durchaus philosophisch geführtes Geplänkel mitgebracht: den Streit zwischen zwei Linien.
Es geht um die Schlangenlinie und die Zickzacklinie. Bereits Friedrich Schiller beurteilt diese sehr konträr, die Schlangenlinie als Symbol der Freiheit, die Zickzacklinie als Ausdruck der Einschränkung derselben. Denn, so Schiller in einem Brief an seinen Freund Körner 1793:
"Was ist aber eine plötzlich veränderte Richtung anders, als eine gewaltsam veränderte? Die Natur liebt keinen Sprung. Sehen wir sie einen thun, so zeigt es, dass ihr Gewalt geschehen ist. Freiwillig hingegen erscheint nur diejenige Bewegung, an der man keinen bestimmten Punkt angeben kann, bey der sie ihre Richtung abänderte."
Im 20. Jahrhundert beginnt Paul Klee sein Pädagogisches Skizzenbuch (1925) mit einer Schlangenlinie, die er mit einem "Spaziergang um seiner selbst willen, ohne Ziel" beschreibt, die zwei Seiten später auftauchende Zickzacklinie aber als "befristet, will möglichst rasch von 1 nach 2 nach 3 usw. Man kann eher von einem Geschäftsgang reden...".
Klee, ein brillanter und geradezu obsessiver Zeichner, versteht diese beiden Kontrahenten als notwendiges und grundsätzliches formales Ausdrucksmittel.
Notwendig und grundsätzlich erscheint im Formen-Arsenal von Hans-Otto Lohrengel der Wellenschnitt, häufig kontrastiert mit einem Zackenschnitt. Und Wellen- wie Zackenschnitt sind im Grunde genommen dreidimensional in die Luft gezeichnete Schlangen- wie Zickzacklinie. Betrachtet man nun dieses Grundsatzphänomen am Einzelwerk - hier an der monumentalen Stahlplastik Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen - so verrät bereits der Titel, dass die bildhauerische Auffassung wesentlich der zeichnerischen entspricht: harmonisch versus aggressiv. Damit erschöpft sich aber nicht die Ausdruckskraft der Stahlplastik. Die beiden gegensätzlichen Bewegungen - schier endlos fortführbar der Bewegungsimpuls der Wellen, von Bewegungsstopp zu Bewegungsstopp umkippend die Zacken - umschreiben innerhalb einer stilisierten und reduzierten Kopfform einen spannungsvollen Luftraum.
Der menschliche Kopf ist Träger des Bewusstseins und symbolisiert wie kein anderes Körperteil das Ich. In diesem Sinne können die beiden Bewegungsformen Welle und Zacke hier als weitergehende symbolische Kräfte gelesen werden - als gegensätzliche Bewusstseinsformen, als Gefühl und Verstand, Emotion und Ratio, die miteinander das Gleichgewicht zu halten suchen.
Die Kopfform gehört wie die Wellenstele, Wellen- und Zackenschnitt als zu gestaltende Konstante in das plastische OEuvre von Hans-Otto Lohrengel. Der Bildhauer wählt bewusst immer wiederkehrende Themen, die es ihm ermöglichen, Plastizität in allen ihren Qualitäten erfahrbar zu machen. Das betrifft sowohl skulpturales Arbeiten mit Holz und Stein als auch plastisches mit Stahl und Bronze. Jedes Material erfordert eine individuelle bildhauerische Lösung. Jede Oberfläche reizt mit unterschiedlicher Farbigkeit und Struktur sowie verschiedenartiger Lichtreflexion bzw. -absorption.
Hans-Otto Lohrengel differenziert jedoch nicht nur hinsichtlich der Materialien, sondern auch in Bezug auf das gewählte Medium. So weitet der Bildhauer sein Themengebiet der Welle - das mittlerweile als zentral angesehen werden kann - auch auf das Medium der Fotografie aus. In der Foto-Edition Wellenschnitt gelingt es dem Künstler, die natürliche bildnerische Kraft des Wassers einzufangen. Dabei hält er das Wasseroberflächenphänomen in faszinierenden Sequenzen fest, lässt Wasser zur ebenen Fläche erstarren, Krater bilden, Licht brechen und spiegeln, macht Wellenwanderwege sichtbar und hält genau den Moment fest, in dem Wellen quasi selbst als Bildhauer erscheinen: kurz vor dem überschlagen.
Der allgemeinen Faszination der Wellenbewegung - wie sie z.B. der Wellenstele mit harmonischen Elementen aus Lindenholz (im Foyer IKK) zu eigen ist - tritt hier die besondere der Wasserwellen an die Seite. Ihre typische Form ist nicht regelsymmetrisch sondern durch ausladende Wellentäler und vergleichsweise spitze Wellenkämme gekennzeichnet. Die Granit-Wellenschnitte von Hans-Otto Lohrengel weisen genau diese Charakteristika auf. Versteinert und fragmentiert präsentiert der Bildhauer die Wellen auf Edelstahlsockeln, die den Eindruck der Zeitlosigkeit und Archaik noch bestärken. Ewiges Wogen und Wallen.
Im übrigen: Auch wenn das Novemberwetter aufs Gemüt drückt - den beiden im Außenbereich platzierten Wellenschnitten steht die Feuchtigkeit ausgesprochen gut!

Aber wie kommt die Welle nun auf den Hund?
In jedem Fall nicht in der negativen Bedeutung der Redensart im Sinne des "in schlimme äußere Umstände" geraten zu sein, sondern viel eher in der scherzhaft und positiv gemeinten Bezeichnung für Hundefreunde.
Ich möchte hier nochmals auf Herrn Klee verweisen. So findet sich in einem Manuskript zu einer seiner Vorlesungen eine Schlangenlinie, die u.a. von einer Schnörkellinie umspielt ist. Diese wiederum deutet Klee selbst als Bewegungsspur eines frei laufenden Hundes, der den Spaziergänger begleitet und der in seinen Bewegungen noch freier und uneingeschränkter ist. Wenn Sie so wollen, verehrtes Publikum, kommt genau hier die Welle auf den Hund.


Dr. Romana Breuer
Kunsthistorikerin M.A.
Freie Mitarbeiterin Ludwig-Museum Köln





Text Dr. Reiner Meyer

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Köpfe und Meer

Sanft dahingleitende Wellen und spitze Zackenmuster in abstrahierten Köpfen.
Diese stark kontrastierenden Beschaffenheiten umschreiben in einem ersten Eindruck die Formenwelt des Bildhauers Hans-Otto Lohrengel.
"Die Linie ist eine Kraft" hatte der Jugendstilkünstler Henry van de Veldes vor etwas mehr als 100 Jahren festgestellt. Bei Lohrengel gewinnt diese Linie plastische Substanz, was ihre Kraft jedoch keineswegs schmälert - im Gegenteil; der Satz van de Veldes gilt nach wie vor - das bestätigen Lohrengels Arbeiten sehr eindrucksvoll.

Hans-Otto Lohrengel weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht leicht war,
" ... ein tragfähiges Grundthema für sein bildhauerisches Arbeiten zu finden...". Jahrelang suchte er danach und fand es schließlich in der Gegenüberstellung von harmonischen und aggressiven Formelementen. In der künstlerischen Praxis hat sich dieses Konzept längst bewährt, denn es lässt große Gestaltungsspielräume ohne sich dabei abzunutzen.
Der Künstler war zuvor an einen Punkt geraten, an dem das Nachschöpfen der Natur, also das Abbilden im naturalistischen Sinne, ihn nicht mehr zufrieden stellen konnte. Ein Wettbewerb zum Thema Wasser im Jahre 1989 führte ihn zur Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Welle.
Die monumentale Arbeit Trauerwelle, die er am Mainzer Rheinufer platzierte, bestand aus lauter vorgefertigten Dachlatten, denen er durch seine Arbeit Dynamik und somit Leben einhauchte. Bis 1998 ging diese Werkphase mit dem ungewöhnlichen Grundbaustein. Nach eigenem Bekunden war es ein wichtiger Punkt in seinem künstlerischen Werdegang. Zum einen, weil sich das Thema Welle herauskristallisierte, zum anderen, weil der Bildhauer zu einer neuen Schlichtheit in der Wahl seiner Mittel vorgedrungen war.

Das Kopfthema verbindet sich in seinem Ursprung ebenfalls mit einer monumen-
talen Arbeit, dem Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen von 1998 - eine Zwei Meter fünfzig hohe Steinskulptur aus Trachyt vor der Polizeidirektion Neuwied. Es ist eine auf das äußerste reduzierte Form eines an den Seiten abgeflachten Kopfes mit fest umrissener und charakteristischer Konturlinie.
Das, was wir als "Gesicht" wahrnehmen, wird durch eine angedeutete Nasenform bestimmt, während die gegenüberliegende Wölbung Assoziationen an den Hinterkopf erlauben. Es ist eine Gratwanderung zwischen fortgeschrittener Abstraktion und rudimentär vorhandener Abbildhaftigkeit, die den Betrachter in ihren Bann schlägt. An diesen Betrachter denkt Hans-Otto Lohrengel tatsächlich, wenn er sagt: "Es stößt mich ab, wenn man erst Abhandlungen lesen muss. Der schnelle und unmittelbare Zugang zu meinem Werk muss gewährleistet sein, sonst stimmt irgendetwas nicht."

Ganz im Sinne des Künstlers sollen diese einführenden Worte nicht in eine Abhandlung münden, sondern lediglich Gedanken widerspiegeln und - wenn es möglich ist - zum Weiterdenken anregen.

Denn bereits diese erste Arbeit, der Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen, gibt zweifelsohne reichlich Stoff zum Reflektieren: Der Kopf ist unsere Steuerungszentrale; dort wird alles koordiniert, gespeichert, abgerufen; in ihm sind fast alle Sinne beheimatet, über ihn läuft die Wahrnehmung der Welt.
Mit unserem Kopf erfassen wir auch das Kunstwerk Kopf und stellen unverzüglich eine "Verwandtschaft" fest. Im Innern dieses Kopfes sehen wir eine harmonisch-sanfte Wellenlinie, die einer aggressiven Zickzacklinie gegenüber- steht. Welcher Gemütszustand wird den Sieg davontragen? Oder bleibt immer beides in den meisten Menschen vorhanden? Vielleicht erinnern wir uns angesichts dieser Arbeit auch an Situationen, die bei uns wahlweise jene polaren Stimmungen erzeugten... . Schaut man auf die kraftvollen Linien, so erscheint es, als habe die aggressive spitzförmige Linie auch eine Art Wellencharakter. Trägt also das Böse und Aggressive doch den Kern des Guten und Harmonischen in sich - und umgekehrt? Kann es gar die Sehnsucht nach Ausgeglichenheit sein, die sich nur äußerlich in Aggression zeigt? Es geht hier wahrhaftig um Elementares, wie der Titel Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen assoziativ nahe legt.

Das tragfähige Konzept, nach dem der Künstler so intensiv und beharrlich gesucht hatte, war geboren! Der Schlüssel lag in der Reduktion und Konzen- tration auf das Wesentliche und - er lag im Vertrauen auf die Kraft der Linie!
Dabei wählte Lohrengel ein Motiv, das die Bildhauerkunst bereits seit Jahrtausen- den beschäftigt und das bis in die Gegenwart künstlerische Auseinandersetzung erfährt.

Jetzt eröffnete sich dem Künstler eine Fülle von Möglichkeiten.
Dazu gehört auch die Annäherung an Nachbardisziplinen wie der Architektur. Aktuelle Kunst im Öffentlichen Raum zeigt oftmals, dass die Grenzen zwischen Skulptur und Baukunst fließend sein können.
Bei Lohrengel lassen sich architektonische Elemente auch in der Kleinskulptur - respektive Kleinplastik - ausmachen, wie zum Beispiel bei den Arbeiten Stufenkopf 1 und 2 aus dem Jahre 1998. Ein Mal sind die Stufen gleichsam in die Konturlinie hineingearbeitet, ohne diese jedoch zu zerstören; das andere Mal verlaufen die Stufen als gleichmäßiger Riss durch den Holzkörper. Im ersten Fall sind sie real, im anderen nur als nach außen sichtbare Linie erfahrbar. Eine Grundidee findet mithin verschiedene Ausprägungen, die zu höchst konträren Wirkungen führen.

Mit der Arbeit Kopf mit Haarpracht erforschte der Bildhauer die behutsame Annäherung an die Abbildfunktion, ohne jedoch den Pfad der Abstraktion, Konzentration und Reduktion zu verlassen.
Jeglicher überflüssige Ballast ist abgestreift, und so entsteht jene Aura, die Lohrengels jüngeres Werk auszeichnet. Wie bei Stufenkopf 1 korrespondieren die sanfte, harmonisch geschwungene Konturlinie und die aggressive, von tiefen Einschnitten geprägte "Haarlinie" miteinander. Es ist eine Art Leitmotiv, das in der Form variabel ist und mit dem der Bildhauer immer wieder neue Lösungen erreicht. "Wenn man es geschafft hat, spürt man eine große Erleichterung". Mit diesem Satz beschrieb der Künstler den ernsthaften und oft schwierigen Weg der Werkentstehung.

Die Arbeiten Kopf mit Innenleben und Kopf mit Schlüsselloch stammen aus dem Jahr 2002 und knüpfen an den Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen von 1998 an. Auch hier sind Bereiche ausgespart, die nunmehr kreisrunde oder gerade Linien neben den zackigen beschreiben. Die Wellenlinie dagegen ist jetzt Bestandteil der äußeren Kontur. Das Schlüsselloch-Motiv weckt zwangsläufig Assoziationen in Richtung Voyeurismus und geheimnisvoll Verbotenem.

Alle genannten Werke - und es ließen sich noch weitere hinzufügen - zeigen das Prozesshafte im Schaffen des Künstlers.
Hinter den Kopfskulpturen und -plastiken steht auch der Gedanke des Seriellen, der ein geeignetes Instrument zur Bewältigung der selbstgestellten bildnerischen Problematik darstellt.

Der Bildhauer steht mit seinem konzeptuellen Ansatz der Serie in einer großen kunsthistorischen Tradition. Einer der ersten Künstler war Claude Monet, der mehr als dreißig Jahre lang immer die gleichen Motive in wechselndem Licht malte. Ihm folgten Künstler wie Piet Mondrian oder Josef Albers, die das Arbeiten in Serie vom Gegenstand entfernten und den Weg in die Abstraktion gingen.
Die Motivation, in Reihen zu arbeiten, war dabei stets eine unterschiedliche. Ging es für Monet um die Differenzierung von visuellen Erfahrungen, so erscheinen die späten Meditationen von Jawlensky wie inbrünstig wiederholte Gebete auf der Suche nach dem Antlitz Gottes. Führt das serielle Arbeiten bei den Popart-Ikonen Andy Warhol und Roy Lichtenstein zur Sinnentleerung, so bedeutet sie für die Photographen Bernd und Hilla Becher ein Bekenntnis zur Individualität, beispielsweise von technischen Bauwerken wie Wasser- oder Fördertürmen.
Das Arbeiten in Serie avancierte zu einem zentralen Ansatz, vor allem für die bildende Kunst im 20. Jahrhundert.

Es lohnt sich sehr, sich in die Bildwerke Lohrengels einzusehen und zu versuchen, sie zu ergründen. Sie können meines Erachtens auch dazu anregen, über unsere Wahrnehmung der Welt nachzudenken.

Willi Baumeister, einer der bedeutenden Künstler des 20. Jahrhunderts, stellte in seinem sehr einflussreichen Buch "Das Unbekannte in der Kunst" die grundsätzliche Frage "Wie sieht die Natur aus?", um dann selbst zu antworten: "Es ist fraglich, ob die Natur überhaupt "aussieht". Es ist fraglich, ob die Welt einen feststehenden Aspekt bietet. Es könnte sein, dass die Augen ein Netzwerk ins Dunkel auswerfen, das eine dem Menschen fassbare Welt durch den Menschen selbst entstehen lässt. Die objektive Substanz der Welt ist für den Menschen sinnengemäß nicht fassbar."

Die subjektive Substanz ist bei Hans-Otto Lohrengel eine auf das äußere und Innere gerichtete.
Und wenn letztendlich auch Fragen bleiben, so kann Kunst wie diese doch sehr viel leisten, indem sie unseren eigenen Horizont erweitert und das für uns Fassbare in neue Formen bringt.

Dazu sei noch einmal Baumeister zitiert: "Die Kunst früherer Zeiten hatte Aufgaben in sich und vom Auftraggeber her gehabt. Aber das Bilden an sich hat keine Aufgabe. Es ist phänomenal. Es können aber Werte und Ableitungen daraus gezogen werden, weil es weiter wirksam ist. Das Bilden, die Kunst, ermöglicht es dem Menschen, zu einer Anschaulichkeit und Anschauung überhaupt vorzudringen."

Die von Baumeister geforderte Anschaulichkeit und Anschauung wird in dem anderen Teil von Lohrengels Werk ganz direkt umgesetzt. Gemeint sind die Foto-Editionen Wellenschnitte und Spurensuche. Zum einen sind es Studien für seine Wellenmotivik, zum anderen entwickeln sie sich selbst zum autonomen Ausdrucksmittel. Die Fotos sollen die Kostbarkeit und die Vergänglichkeit des Augenblicks dokumentieren.
Lohrengel kämpft gegen die allgemeine Reizüberflutung, er plädiert für eine Schule des Sehens. Seine Kunst ist ein Angebot, in Klausur zu gehen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dabei verweist er auch darauf, dass ein großer Teil der heutigen Jugend große Probleme in der Wahrnehmung hat. Schnelle Schnitte in Kinofilmen und Videos zerstören die Konzentrationsfähigkeit von Grund auf.

Scheinbar einfache Dinge wie der fotografisch konservierte Blick auf das Meer oder auf den Sand offenbaren eine endlose Vielfalt. Es gibt in der bildenden Kunst viele Möglichkeiten, unsere Wahrnehmung zu überprüfen oder sie für das Alltägliche zu schärfen. Lohrengels Foto-Kunst ist die unmittelbarste Art, dieses zu tun. Jeder, der schon einmal für mehrere Tage am Meer war, weiß, dass es sich stets wandelt. Es ist faszinierend, diese Konstanz in der Wandlung auf dem Plakat Wellenschnitte nachzuerleben.

Köpfe und Meer - so lautet der Titel der Ausstellung.
Es sind zwei grundlegende Themen in der bildenden Kunst - immer wieder erprobt, immer wieder als Herausforderung empfunden.
Bei den Köpfen setzt Hans-Otto Lohrengel ganz auf die Kraft der Linie, beim Meer auf die Kraft der fotografischen Authentizität und des gewählten Bild- ausschnittes.
Ob Skulpturen, Plastiken oder Fotografien - immer steht die Suche nach dem Wesentlichen und dem Wahren im Fokus des Künstlers Hans-Otto Lohrengel.

Von Johann Wolfgang von Goethe ist folgender Satz überliefert: "Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird."
Möge Hans-Otto Lohrengel sein künstlerisches Werk in diesem Sinne fortsetzen.


Dr. Reiner Meyer, Kunsthistoriker, Oldenburg (Oldb.)
Freier Mitarbeiter im Horst Jansen Museum, Oldenburg





Text Dr. Ulrike Fuchs   Zum Inhaltsverzeichnis

Harmonie kontra Aggression (Artikel aus der Zeitschrift Kunsthandel 3-2002)

Der Bildhauer Hans-Otto Lohrengel und seine plastische Umsetzung des Themas


"Es ist nicht leicht, ein tragfähiges Grundthema für sein bildhauerisches Arbeiten zu finden," bekennt der in dem kleinen Westerwalddorf Siebenmorgen lebende Bildhauer Hans - Otto Lohrengel bei einem Besuch in seinem Atelier. "Ich habe jahrelang nach einem solchen gesucht, mehrere Themen ausprobiert, bis ich mir schließlich mit der Gegenüberstellung von harmonischen und aggressiven Formelementen einen Themenkomplex erschlossen habe, der sich immer wieder neu fassen und gestalten lässt, eben tragfähig ist"

Die figurative, gegenstandsbezogene Trägerform, die dem in Köln geborenen und dort auch ausgebildeten Bildhauer in den letzten Jahren zur Verwirklichung, besser zur Verbildlichung dieses Gegensatzpaares diente, ist die Kopfform.

Der inhaltliche Bezug ist naheliegend und schnell zusammengefasst. Im Kopf manifestieren sich die unterschiedlichen Gefühlszustände, von ihm aus werden Verhaltensweisen, Denkansätze, Lebenseinstellungen gesteuert. Hier muss der Mensch das, was er erfährt, erlebt, fühlt und denkt zum Ausgleich bringen, harmonisch zusammenführen oder eben auch nicht.

Es ist also sowohl die Auseinandersetzung im Kopf selbst gemeint, als auch das, was als Ergebnis nach außen drängt und letztlich das Denken und Leben insgesamt bestimmt.

Dass die Individualität eines bestimmten Portraitkopfes für diese Aussage zu spezifisch sein muss, liegt auf der Hand. Die abstrahierte, helmartige, seitlich abgeflachte Kopfform, die für die Arbeiten Hans-Otto Lohrengels kennzeichnend ist, entwickelte sich daher zwangsläufig.

In verschiedenen Variationen spielt der Bildhauer sein Grundthema durch; mal steht die weiche, wellenartige harmonische Form im Inneren des Kopfes der spitzen, aggressiven gegenüber, wie z. B. in der 1998 in Lindenholz gearbeiteten Variante "Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen". Fast droht die innere Konfrontation die äußere Form zu sprengen, so sehr wird das Auge von diesem Zentrum gefesselt.

Die weiche, sich von links über den Kopf ausbreitende, die aggressiven Spitzen unterdrückende Wellenlinie gewinnt hingegen in der 1999 aus geöltem Lindenholz gearbeiteten Skulptur die Oberhand. "Vom Winde verweht", nennt der Künstler diese, an einen Kopf mit wehender Haarpracht erinnernde Variante. Die Maserung der waagerecht übereinander geleimten Holzblöcke und die die Wellenlinie betonenden, feinen Holzadern unterstreichen die Wirkung zusätzlich. Während die überaus geschickt ausgenutzte Holzmaserung die Phantasie des Betrachters aktiviert und fesselt, erscheinen die Bronzegüsse dagegen kalt und abweisend, wirken auf andere Weise.

Die Wellenform, sowohl im Urelement des Wassers, aber auch im übertragenen Sinn als Lebenswelle, ist auch die Grundform, das tragende Element einer weiteren Werkreihe des Künstlers. Ausgelöst wurde diese Auseinandersetzung und Bearbeitung des Themas 1989 durch einen Wettbewerb zum Thema Wasser und dessen Verschmutzung.

In eine große "Trauerwelle", ( 220 x 230 x 170 cm /Fichte) am Mainzer Rheinufer platziert, fasste Lohrengel seine kritische Umsetzung des Themas. Aus vorgefertigten Dachlatten geschaffen zeigt sie in ihrer Krone die das Wasser verschmutzenden Abfälle. " Es hat mich gereizt, die genormte Form der Dachlatten als eine tote Form durch Reihung, gegeneinander Verschieben und weitere Veränderung und Bearbeitung in eine organische Form, nämlich die der Welle, zu überführen," beschreibt der Bildhauer seine damalige Zielsetzung.

Aus dieser Großplastik für den öffentlichen Raum entwickelten sich im Laufe der Jahre sowohl verschiedene Projekte im Bereich " Kunst am Bau", so z. B. für die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz, deren Eingangsbereich und Foyer 2003 fertiggestellt sein wird, aber auch im Bereich einer meditativen Kleinplastik

Ähnlich wie bei dem Mainzer Objekt werden auch hier die teils in Bronze gegossenen oder auch in Granit gearbeiteten Wellen durch gegeneinander Verschieben einzelner, zunächst wellenförmig bearbeiteter etwa 2 x 2 cm dicker und ca. 40 cm langer Vierkantstäbe zusammengesetzt.

Spielerisch, puzzleartig entwickelt sich daraus die Wellenform, werden die Stäbe fixiert und abschließend nachbearbeitet. Rechteckige Holz - Wellen - Segmente entstehen, mit hochaufgetürmten Wellenbergen, aber auch ganz flache, sanfte, beruhigende Wellenflächen, die an leicht gekräuselte Wasseroberflächen denken lassen, zum Meditieren anregen.

In Bronze gegossen verkauft der Künstler eine Auflage von maximal 12 Exemplaren, aber auch die größere Umsetzung in Granit verfehlt nicht diese Wirkung.

Die Ausstrahlung der in der Oberfläche geglätteten Holzexemplare ist jedoch unübertroffen.

Der Reduktion auf das Einfache, das Sparsame, Wesentliche, Meditative als Kernaussage dieser Arbeiten steht die Erzeugung von Betroffenheit auf Seiten des Betrachters gegenüber, die Hans - Otto Lohrengel mit seinen Agitations- plastiken hervorrufen will.

In etwas vordergründiger Weise kam diese Absicht schon in dem gegenständlichen, 1988 entstandenem Totempfahl "Moderner Totem" zum Ausdruck. Gebildet aus einer knienden, weiblichen Gestalt, die auf ihrem Rücken die Last, Gefahren und Verfehlungen der Welt u.a. in Form einer Rakete, eines abgestorbenen Baums und eines schießenden Kindes trägt, schraubt sich der Pfahl nach oben, entschlüsselt der Betrachter ihn, indem er die Bronze mit dem Auge umrundet. Eine Steigerung und Verdichtung findet die Agitationsplastik hingegen in der von Lohrengel im Jahr 2000 im Rahmen eines Symposiums in der Gedenkstätte KZ Osthofen geschaffenen Kopfplastik. Mit weit geöffnetem Mund blickt dem Betrachter hinter einer in den Stein hinein gearbeiteten Vergitterung der gequälte Mensch entgegen. Kopf und Gitter sind in der Steinplastik miteinander verschmolzen, sind eins.

Es sind das ausgesetzt Sein und das gefangen Sein selbst, die Lohrengel in den Stein übertrug.

Das Narrative, das die frühe Plastik kennzeichnete und dem Betrachter eine Flucht ins Detail ermöglichte, fehlt hier. Unbarmherzig und direkt konfrontiert der Künstler ihn in unmittelbarer Weise mit der Situation des Gefangenseins, der Panik und Ausweglosigkeit.

Auch in dieser Großplastik dient die Kopfform als figurativer Träger für die Aussage. Sie ist jedoch als unförmiger Steinblock ( 1 x 1 x 2,5 m ) gegeben und bildet sowohl formal als auch thematisch eine Sonderform innerhalb der Arbeiten des Künstlers, dessen Zielsetzung eine, auf der Wellenform aufbauende, weitere Formkonzentration ist. Die äußere Erscheinung des Kopfes hinter sich lassend, möchte er den Stelenbau des frühen Totempfahls aufgreifen und ihn auf die Wellenform reduzieren. Vom figurativen Träger befreit, kann sich die für Harmonie stehende Wellenform dann im Raum frei entfalten. Auf die Umsetzung dieser Zielsetzung dürfen wir gespannt sein.

Dr. Ulrike Fuchs
Kunsthistorikerin, Westerburg





Text Andrea Basler-Egg M.A.   Zum Inhaltsverzeichnis

Die Skulpturen von Hans-Otto Lohrengel befassen sich mit dem Thema Mensch und Umwelt, sowie Wasser und Welle und besitzen einfache und knappe Formen. Sie zeigen einen wunderbaren Reichtum an Vereinfachung, die "Materialgerechtigkeit" wird sorgsam kultiviert: Der Blockcharakter des anorganischen Steins, das stetige Gleiten entlang der Maserung und der Jahresringe im Holz und die lebendige Bewegung der Bronze. Die einzelnen Materialien beleben sich wie von innen, ihre Haut pulsiert als eine Art Membran, die von Kräften bewegt wird und sich zu der für Hans-Otto Lohrengel typischen Form verdichtet. Seine fließende, von Rundungen und Kanten bestimmte Formensprache strebt nach der "Universalen Urform", nach dem Archetypus. Durch die Verbindung und die gleichzeitige Gegenüberstellung von harmonischen und aggressiven Formelementen, gelingt dem Künstler ein subtiles Gleichgewicht zwischen abstrakten und organisch-naturhaften Formen. Das Runde, Wellenförmige als Symbol für Harmonie und Stärke, das Kantige, Eckige für Aggression und Schwäche.

Ein Großteil der Arbeiten von Hans-Otto Lohrengel machen die Kopfskulpturen mit ihrem besonderen Form- und Ausdrucksvokabular aus. Es ist ein großer Variationsreichtum vorhanden, obwohl er einer, durch Reduzierung von Naturformen gewonnenen, in sich geschlossenen, Grundform treu bleibt. Die Form beinhaltet höchste Konzentration und symbolische Bedeutung zugleich. Auf eine Individualisierung wurde verzichtet, es geht um den Menschen allgemein.

Der "Stufenkopf 1" aus dem Jahre 1998 zeigt auf der Vertikalachse eine vierstufige Treppe, den "Stufenkopf 2" aus dem gleichen Jahr kennzeichnen Stufen, die, die ganze Breitseite der Skulptur einnehmen. Hier wurde die Reduktion auf das Wesentliche gekonnt umgesetzt: das, was den menschlichen Kopf, seine zahlreichen Gehirnwindungen und die damit verbundenen Gedanken ausmachen, wird durch ein paar Stufen angedeutet.

Seit 1986 stellt Hans-Otto Lohrengel Skulpturen in geringer Stückzahl, in sogenannten Editionen, her. So existiert von dem "Stufenkopf 1" ein Bronzeguss in einer limitierten Auflage, von dem "Kopf mit Haartracht" ein Bronzeguss in gleicher Auflage.
Ebenso wie in den beiden "Stufenköpfen" stellt der Bildhauer die Wellenform als harmonisches Element der kantigen, eckigen Form der Aggressivität gegenüber. Durch diese Gegenüberstellung und die gleichzeitige Zusammenführung erreicht er eine äußerst subtile Balance zweier gegensätzlicher Aktionspotentiale. Dem Künstler gelingt die Urform des Organischen zu sublimieren und dessen spirituelle Vitalität herauszuarbeiten.

Den "Kopf vom Winde verweht" und der "Kopf mit Haarpracht" weisen ebenfalls Wellen- und Zackenlinien aus, allerdings markiert hier die Wellenlinie das Gesichtsprofil. Die rechteckigen Linien verlagern sich zum hinteren Teil des Kopfes. Durch die gestauchte Form des "Kopfes vom Winde verweht" entsteht eine explizite Dynamik.

Bei dem Bronzeguss "Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen", kommt das entscheidende Ausdrucksmittel der Durchbrechung der Form dazu, aber es bleibt eine Gruppierung verschiedener Formen in einer Gesamt- komposition.
Der "Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen" geht auf eine 2,5 m hohe Steinskulptur aus Trachyt zurück, mit der Hans-Otto Lohrengel den 1. Preis für den Kunst am Bau Wettbewerb für die neue Polizeidirektion in Neuwied erhalten hat.

Die Welle als Ursymbol der Erdgeschichte ist auch bei dem "Kopf mit Wellenelementen" deutlich zu erkennen. Aber besonders bei den Steinwellen aus Hötzendorfer Granit mit Eckmaßen von 1.60 m auf 1.25 m ist es wieder die Reduktion auf das Wesentliche, die dem Betrachter ins Auge springt. Diese Arbeit ist archetypisch und megalithisch und in ihr spiegelt sich die Suche nach den Urformen wider. Der Bildhauer verbindet auch hier seine Suche nach der Form mit einer puristischen Sensibilität für den jeweiligen Eigencharakter der skulpturalen Materialien wie Holz, Stein oder Bronze.

Hans-Otto Lohrengel hat zahlreiche Kunst am Bau Projekte geschaffen: 1994 erhielt er z.B. den 1. Preis und die Ausführung eines Erlebnisbrunnens aus Beton und Bronze für die Stadt Hassloch; 1995 den 1. Preis und die Ausführung eines Mineralwasserbrunnens aus Basaltlava für das neue Schwimmbad in Bad Marienberg; 1998 wiederum einen 1. Preis bei der Innen und Außengestaltung des Eingangsbereiches für die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz (eine Wellenskulptur in Granit, Basaltlava und innen mit farbigem Lindenholz), sowie 2001 den 1. Preis und die Ausführung der Innengestaltung des Eingangsbereiches der Dualen Oberschule in Kirchen/Sieg.

Bei allen Kunst am Bau Projekten verwendet Hans-Otto Lohrengel ähnliche Formelemente wie bei den kleineren Skulpturen. Daneben, wie z.b. bei dem Entwurf zur Gestaltung des Willi-Brandt-Platzes in Essen und der Innen- und Außengestaltung der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz sind es Säulen mit gegenläufigen, geflügelten Kapitellen, Quadrate, Rechtecke und Rauten. Wölbungen im Material und offene Zwischenräume innerhalb eines blockhaften Volumen dienen hier dazu, den weiten landschaftlichen Raum in die skulpturale Form mit hineinzuholen und dadurch das monumentale Pathos zu steigern. Die Konzeption der Skulpturen bewirken den Eindruck räumlicher Geschlossenheit und gesammelter Aufmerksamkeit.

Bei seinen letzten Arbeiten spielen zunehmend auch fotografische Arbeiten sowohl als Studien als auch künstlerisches Ausdruckmittel eine Rolle. In digitaler Drucktechnik erzeugt Hans-Otto Lohrengel Kleinauflagen von Themen wie "Spuren" und "Wellen". Sie gehen einher mit der Auflage von Plakateditionen zu verschiedenen Themen: 1999 erschien das Plakat "Spurensuche", Anfang 2002 erschien das zweite Plakat "Wellenschnitte". Die Thematik der Spurensuche ist in dem Oeuvre von Hans-Otto Lohrengel zum ersten mal 1997/98 bei der Foyergestaltung des protestantischen Kinder-, Alten- und Pflegeheimes in Enkenbach-Alsenborn zum Vorschein gekommen. Hier gestaltete er mehrere farbig gefasste Holzreliefs aus Eiche, die Lebensspuren unterschiedlichster Art zeigen. Das bereits erwähnte Plakat geht auf die Vorstudien zu diesem Kunst am Bau Projekt zurück. Spuren sind die Erinnerung individueller Vergangenheit. Der Künstler, der Spuren sichert, versucht mit dem Sammeln von Zeichen eine vergangene, nicht eindeutig benennbare Zeit zu rekonstruieren und zu konservieren.

Die enorme künstlerische Schaffenskraft von Hans -Otto Lohrengel fand 2000 einen weiteren Höhepunkt. In diesem Jahr realisierte er seine Idee ein Bildhauersymposium in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Osthofen unter dem Motto "Künstler gegen Gewalt, 5 Steinmale" zu veranstalten. Bei der Ortswahl beabsichtigte er die "... Beliebigkeit, die normalerweise Bildhauersymposien anhaftet zu durchbrechen..." und versuchte "... die Schwellenangst vieler Menschen zum Besuch der Gedenkstätte und der Beschäftigung mit der Problematik..." abzubauen (Hans-Otto Lohrengel).

In 5 Wochen bearbeiteten 5 Künstler je einen 1x1x2,5 m großen Steinquader. Hans-Otto Lohrengel gestaltete einen Kopf, der sich der Form des Quaders anpasst. Zwei Längsseiten zeigen weitaufgerissene Augen, Nase und Mund wurden aus der Kante herausmodelliert. Es ist ein weit geöffneter, von Entsetzen geprägter Mund, der die Wucht der Erkenntnis der Ausweglosigkeit widerspiegelt. Der Künstler unterstreicht diesen Eindruck, indem er den kompletten Quader mit eingemeißelten Linien überzogen hat - ein sichtbares Zeichen des Stacheldrahtes.

Mit dieser Arbeit ist Hans-Otto Lohrengel gelungen ein Stück deutsche Geschichte zu verarbeiten. Die Skulptur zeichnet sich durch eine äußerst sensible und psychologisierende Gestik aus und zeigt einen sehr gelungenen künstlerischen Umgang mit der Materie Stein.

Andrea Basler-Egg M.A.
Kunsthistorikerin, Mainz





Pressestimmen   Zum Inhaltsverzeichnis

"Das spannungsvolle Wechselverhältnis von Mensch und Umwelt ist ein zentrales Thema in der bildhauerischen Arbeit von Hans-Otto Lohrengel. Die vielschichtigen Beziehungen zwischen dem Individuum und seinem Lebensraum, zwischen der Gruppe und ihrem Umfeld versucht der Künstler aus unter- schiedlichen Perspektiven sichtbar und begreifbar zu machen. ...Lohrengels Skulpturen wollen im doppelten Sinne begriffen werden; sie laden ein zur Auseinandersetzung und zum Dialog".
(Kölner Stadtanzeiger)

Das in der Galerie gezeigte 2,5 m hohe Holzobjekt "Trauerwelle" ist die Arbeit, mit der sich Hans-Otto Lohrengel am deutlichsten von seinem Lehrer Karl Burgeff, Professor an der Fachhochschule Köln, gelöst hat. Bei den meisten der anderen Reliefs und Skulpturen verleugnet er die Hanschrift seines Meisters keineswegs, so bei der kleinen Bronze einer Sitzenden, die der Künstler mit einem großen Gespür für plastische Werte gestaltet hat oder bei den Flach reliefs mit ihren ornamentalen Kompositionen und der sorgfältigen Ausarbeitung der Details. Nie aber gerät die Nähe des Schülers zu der Kunst seines Lehrers in die Gefahr der Abhängigkeit oder Nachahmung. Lohrengel beweist immer wieder neben einem hohen handwerklichen Niveau eine eigenständige und vielseitige künstlerische Phantasie.
(Kölnische Rundschau)

Eine Novität für mich sind die Holzplastiken von Hans-Otto Lohrengel. Er trägt zu einer neuen Sehweise dadurch bei, daß er im Portraitschaffen Holzstreifen aneinander setzt, so daß überaus lebendige Wirkungen erzielt werden......
(Mitteldeutsche Zeitung)

Hans-Otto Lohrengel, der seit 1983 freischaffend arbeitet und mit seinem Holzobjekt "Trauerwelle" sicherlich einen der Höhepunkte der Ausstellung geliefert hat - und mit seiner aus Lindenholz geformten, leider nur im Katalog zu sehenden "Frau im Wasser" auch den vielleicht faszinierendsten Beitag.
(Die Rheinpfalz)

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